5 Wechselstrom

5 Wechselstrom

5.1 Allgemeiner Fall und Motivation

Konvention:      große Buchstaben : zeitlich konstant                                                                                                                                kleine Buchstaben : zeitlich veränderlich

Die technische Nutzung von Kapazitäten und Induktivitäten setzt nach Gleichung (4.4) bzw. Gleichung (4.7) eine Änderung der elektrischen Größen voraus. Für (idealen) Gleichstrom ist keine Nutzung möglich. Deshalb hat sich in der Energietechnik Wechselstrom (s. u.) durchgesetzt. Die elektrischen Größen zur Übertragung von Messwerten, Sprache, Video-Bildern sind von Natur aus keine Gleichstromsignale.

Wechselstromgrößen sind periodische Vorgänge 

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mit der Periodendauer

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.

Der Mittelwert einer Periode soll null sein, also: 

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d.h.

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Die Begründung ergibt sich aus Gleichungen (4.3) und (4.8). Ein nicht verschwindender Mittelwert würde sich bis unendlich aufintegrieren.

 

5.2 Sinusförmige Größen

Für jeden beliebigen Zeitpunkt 

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erhält man den Augenblickswert der Größe durch die Beziehung:

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oder bei anderer Wahl von 

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auch:

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 : Scheitelwert
 : Periodendauer
 : Frequenz
 : Kreisfrequenz

 



Die Frequenz 

gibt die Zahl der in einer Sekunde durchlaufenden Perioden an:

Damit wird zur Abkürzung die Kreisfrequenz definiert:

Die Einheit der Frequenz 

ist

Die Einheit der Kreisfrequenz ist

 

Alle Größen der Art werden sinusförmig genannt. 

  hängt nur davon ab, was als 
festgelegt wird.

Die Eigenschaften, dass

  • die Addition zweier sinusförmiger Größen wieder eine sinusförmige Größe gleicher Frequenz ergibt und dass

  • die Ableitung und das Integral einer sinusförmigen Größe wieder sinusförmige Größen ergeben,


sind ein Grund dafür, dass sinusförmige Ströme und Spannungen eine herausragende Rolle in der Elektrotechnik spielen.

Darüber hinaus kann jede periodische nicht-sinusförmige Größe in eine Summe von Sinus- oder Cosinusschwingungen zerlegt werden (harmonische Analyse, Fourier-zerlegung):


                Scheitelwert (Amplitude der Grundschwingung (1. Harmonische)
     Scheitelwert der sog. höheren Harmonischen (Oberschwingungen)
                     1. Oberschwingung = 2. Harmonische
                Kreisfrequenz der Grundschwingung
   Ganzzahlige Vielfache von 
 

Gleichwertig und in die Darstellung nach (5.2) umrechenbar sind die Funktionen:

Wenn man also die Ströme und Spannungen für ein Netzwerk aus Widerständen, Kapazitäten und Induktivitäten für sinusförmige Größen ermitteln kann, dann ist über diese Zerlegung auch die Berechnung für beliebige andere periodische Ströme und Spannungen möglich.

5.3 Winkel- oder Phasenbeziehungen zwischen Wechselstromgrößen

 

Bei der gezeichneten Phasenlage eilt die Größe

 der Größe
 um den Phasenunterschied (die Phasenverschiebung)
 bzw. um die Zeit
nach.

Die Angabe einer Phasenverschiebung ist nur bei gleicher Frequenz der Vorgänge sinnvoll.

 5.4 Arithmetischer Mittelwert

 

 

 

In einigen technischen Anwendungen ist der zeitliche Mittelwert eines Wechselstromes

 über eine halbe Periode von Interesse (oder einer Spannung):

Augenblickswert des Wechselstromes:

Aus der Gleichheit der Flächen folgt für den Mittelwert

 :

Für sinusförmigen Wechselstrom erhält man:

Institut für Mechatronik im Maschinenbau (iMEK), Eißendorfer Straße 38, 21073 Hamburg