9 Dynamisches Verhalten von Drehfeldmaschinen
9.1 Voraussetzungen
Es wird wie üblich angenommen, dass das Luftspaltfeld sinusförmig ist, dass keine Sättigung vor-kommt und dass es keine Eisenverluste gibt. Die folgenden Verfahren ermöglichen es, beliebige dynamische Vorgänge zu berechnen, also insbesondere Anlaufvorgänge und Ausgleichsvorgänge bei einer Änderung der Belastung oder Änderung der Netzspannung. Die Netzspannung und die Ströme brauchen nicht sinusförmig zu sein, es wird lediglich vorausgesetzt, dass die Summe der Ströme in den Strängen der Maschine immer ist. Bei Maschinen, deren Stränge im geschaltet sind, ist das immer gegeben. (Bei Dreiecksschaltung ist das nicht zwangsläufig der Fall, aber durch den Aufbau der Wicklung wird immer erreicht, dass ein gegebenenfalls verbleibender Summenstrom keine Auswirkungen hat.)
Alle Gleichungen können auch in normierter Form angegeben werden.
9.2 Idee der Berechnungsweise
Für Ausgleichsvorgänge reicht es nicht aus, Rechnungen mit einem einphasigen Ersatzschaltbild durchzuführen, es sei denn, die untersuchten mechanischen Vorgänge verlaufen sehr viel langsamer als die magnetischen Vorgänge in der Maschinen. Deshalb müssen die Gleichungen für alle Stränge der Maschine aufgestellt werden, wobei es intensive Kopplungen zwischen den Strängen und zwischen den Strängen und den Wicklungen des Rotors gibt.
Der Rotor einer Synchronmaschinen ist immer unsymmetrisch und die Erregerwicklung wirkt immer nur in einer Achse. Aus Sicht einer Statorspule ändert sich also der magnetische Widerstand des Eisenkreises zweimal pro Rotordrehung. Deshalb sind die Gleichungen aus Sicht des Stators recht verwickelt. Daraus resultiert nun die Idee, die Gleichungen für ein Koordinatensystem auf-zustellen, dessen eine Achse in jedem betrachteten Zeitpunkt in die Richtung des Erregerfeldes zeigt und dessen zweite Achse senkrecht dazu verläuft. Da dieses neue Koordinatensystem für jeden betrachteten Zeitpunkt neu auf die momentane Lage des Rotors eingestellt wird, ist die Asymmetrie des Rotors nicht mehr zeitlich veränderlich. Es zeigt sich, dass dadurch alle Gleichungen erheblich vereinfacht werden. Zusätzlich hat eine Beschreibung in diesem Koordinatensystem den Vorteil, dass im stationären Betrieb keine zeitlich veränderlichen Größen mehr auftreten; die gleichmäßige Rotation des Rotors und des Feldes ist in dem gewählten Bezugssystem nicht mehr vorhanden. Die Transformation aller Größen in dieses besondere Koordinatensystem wird Park'sche Transformation genannt, die resultierenden Gleichungen zur Beschreibung der Synchronmaschine werden Park'sche Gleichungen genannt. Von verschiedenen früheren Ansätzen der beschriebenen Art hat sich die Vorgehensweise von Park als besonders vorteilhaft erwiesen.
Da Asynchronmaschinen einen symmetrischen Läufer haben und der Läufer auch nicht synchron mit dem Drehfeld umläuft, bietet hier die Park'sche Transformation zunächst keinen offensichtlichen Vorteil. Bei numerischen Rechnungen (Simulationen) kann durch die Anwendung der Park'schen Transformation jedoch eine erhebliche Rechenzeitverkürzung erreicht werden, da ja nur noch Vorgänge im Bereich der Schlupffrequenz berechnet werden müssen während die netzfrequenten Vorgänge durch die Transformation nicht mehr vorhanden sind.
9.3 1. Schritt: Transformation auf ein 2-phasiges a-b-System
Das Drehfeld in der Maschine wird durch Stränge erzeugt:
also
Da die Stränge gleichartig aufgebaut sind und die Summe der Ströme gleich ist, ist das Feld bereits durch der Ströme eindeutig bestimmt. Man kann deshalb für diese Bedingungen jedes beliebige Feld in der Maschine alleine auch durch geeignet aufgebaute Stränge erzeugen. Zweckmäßig sind Stränge und , die um gegeneinander versetzt sind. Willkürlich wird der Strang a in die gleiche Richtung gelegt wie der Strang :
Man kann einfach nachrechnen, dass mit , nach folgender Gleichung die Felder des -strängigen Systems und des -stränginge Systems identisch sind:
oder in Umkehrung
In Matrizenform ist das kürzer:
Die Matrix ist so normiert, dass ist. Die Nullkomponente muss natürlich immer sein, sie ist hier nur der Vollständigkeit halber mit aufgenommen, mit dem Vorteil, dass die Transformationsmatrix quadratisch ist.
Da über das Durchflutungsgesetz unmittelbar mit verbunden ist und über das Induktionsgesetz unmittelbar mit , gelten für die Ströme und Spannungen entsprechende Transformationen mit der gleichen oben angegebenen Matrix :
Die Faktoren und sind frei wählbar, ist nur von Bedeutung, wenn die Feldgrößen in der Maschine berechnet werden sollen und wird im Folgenden nicht weiter berücksichtigt. Für die Wahl von und gibt es folgende günstige Alternativen:
Die Ströme und Spannungen in beiden Systemen sind in folgenden Sinn gleich:
(, bzw. wie oben dargestellt). Die "Länge der Vektoren" und sind also gleich.
Für den typischen Fall einer symmetrischen Anlage sind die Impedanzen der Maschine gleich den Impedanzen der Maschine, müssen also nicht umgerechnet werden:
Außerdem ist wegen
die Transformation leistungsinvariant und somit ist auch das Drehmoment beider Maschinen gleich.
Die Impedanzen bleiben wie bei a) unmittelbar übertragbar. Außerdem ist aber auch (bei und ) vorteilhaft
Demgegenüber steht der Nachteil, dass für Leistungen und Drehmomente gilt:
und entsprechend für das Drehmoment. Je nach zu untersuchender Fragestellung kann a) oder b) oder auch eine andere Wahl zweckmäßig sein.
9.4 Besonderheiten bei der Rechnung in normierten Größen
Oft werden Ströme und Spannungen auf Normierungsgrößen bezogen:
Für die Leistung ist die Scheinleistung der gesamten Maschine als Normierungsgröße üblich:
Im Normpunkt ist dann .
Da die Strangzahl in der Normierungsgröße enthalten ist, ist
Mit Bezug des Drehmomentes auf die synchrone mechanische Drehzahl ist
Bei dem Übergang von dem System in das abo-System gibt es nun zwei Möglichkeiten:
Die Normierungsgrößen werden nicht transformiert: Dann sind alle Gleichungen (z. B. Gleichung einfach um die Normierungsgrößen erweitert. Als Nachteil ist anzusehen, dass im Normpunkt die Größen in abo-System nicht 1 sein müssen (abhängig von den gewählten ).
Es werden neue Normierungsgrößen für das abo-System festgelegt, sodass für den Normpunkt wieder ist. (Das gilt nur für , die Komponenten „" sind immer null.)
9.5 2. Schritt: Transformation von a-b in ein verdrehtes x-y-System
Die Maschine wird in einem 2. Schritt durch eine x-y-Maschine ersetzt. Die Stränge und stehen senkrecht aufeinander und ist gegen um einen Winkel verdreht. (Der Übersichtlichkeit halber wird hier nur der Fall der Polpaarzahl betrachtet.)
Mit folgender Umrechnung ist das durch x-y erzeugte Feld ist identisch dem durch a-b erzeugten Feld:
Oder wieder kürzer in Matrizenform:
Wie oben ist
Für die Ströme und Spannungen gilt entsprechendes:
Da sich bei dem Übergang von auf die Anzahl der Stränge nicht geändert hat, sonders es sich um eine reine Drehung handelt, sind die Widerstände und Leistungen unverändert.
9.6 3. Schritt: Die Gleichungen der Synchronmaschine
Folgende Spulen werden berücksichtigt:
Index |
|
Statorspule in -Richtung | |
Statorspule in -Richtung | |
Erregerspule | |
Dämpferkäfig in -Richtung | |
Dämpferkäfig in -Richtung | |
Gegeninduktivität zwischen und | |
usw. für alle Spulenpaarungen |